Modell- & Forschungsschulen

Die Praxisschulen (Volksschule und Mittelschule) der Pädagogischen Hochschule Salzburg verstehen sich als Orte, an denen wissenschaftliche Erkenntnisse und Arbeitsweisen mit den Erfordernissen der täglichen Schulpraxis in einen produktiven Diskurs treten. Ziel ist es, neue und innovative Ansätze zu finden, um modellhaft Formate für effektives Lehren, Lernen und nachhaltige Bildungsprozesse zu kreieren. Die Verschränkung mit einer grundsätzlich forschenden Haltung von Lehrpersonen und Lehrenden der Hochschule soll dazu beitragen, dass die Modellentwicklung stets neue Perspektiven in den Blick nimmt. Zudem bieten die Modell- und Forschungsschulen die einmalige Chance, dass eine Verschränkung von Forschung und Lehrpraxis über das Prinzip eines „Transfers“ hinaus geht, da es die Lehrkräfte im Verbund mit den Forschenden sind, die neue Impulse für innovative Forschungsprojekte aktiv ausgestalten. Die Anlaufstelle für Angewandte Schulforschung stellt hierfür auch Angebote zur Begleitung von Forschungsprozessen bereit.

Themenschwerpunkt in "Erziehung und Unterricht": Modell- und Forschungsschulen

Cover: Modell- und Forschungsschulen

Inhaltsverzeichnis

Vorwort – Innovative Impulse zur (Weiter-)Entwicklung von Modell- und Forschungsschulen

Summaries der Beiträge

Die Beiträge können per Anfrage direkt über die jeweiligen Autor*innen bezogen werden. Für etwaige Fragen können Sie auch gerne die Herausgeber*innen (Fabio Nagele/Doreen Cerny) des Themenschwerpunktes kontaktieren.

Projekte

Unterricht ist komplex, vieles geschieht auf unterschiedlichen Ebenen gleichzeitig. Darüber hinaus erfordern unvorhergesehene Ereignisse rasche Entscheidungen und situationsgerechtes Handeln seitens der Lehrkraft. Um dementsprechend Lernprozesse effektiv steuern zu können und qualitativ hochwertigen Unterricht zu gewährleisten, benötigen Lehrkräfte Klassenführungskompetenzen. Für Lehramtsstudierende ist es deshalb entscheidend, Lehr-Lernmöglichkeiten nutzen zu können, die ihre professionelle Wahrnehmung gezielt (weiter)entwickeln. Die Auseinandersetzung mit Videovignetten zur Klassenführung unterstützt diesen Lehr-Lernprozess. Aus diesem Grund fokussiert das vorliegende Projekt zum einen die Produktion von adäquaten Videovignetten zur Klassenführung, die auf theoriebasierten, inszenierten Drehbüchern/Transkripten fußen und prüft zum anderen folgende Fragestellungen: Welche Unterschiede ergeben sich beim Einsatz von Videovignetten im Vergleich zu Drehbüchern/Transkripten? Gibt es hinsichtlich des Wissenszuwachses Unterschiede zwischen dem Einsatz der Lehr-Lerngelegenheiten? Lohnt sich der Aufwand für die Produktion inszenierter Videovignetten? Die Praxisschulen übernehmen dabei eine zentrale Rolle des Projekts. Gemeinsam mit den Lehrkräften werden inszenierte Drehbücher zu klassenführungsrelevanten Situationen mit Schüler:innen im Rahmen einer Theaterwerkstatt einstudiert und gedreht. Darüber hinaus werden sowohl inszenierte als auch situationsbezogene Interviews mit Schüler*innen der Praxisschulen sowie den jeweiligen Lehrkräften geführt. Die dabei entstanden Videovignetten werden auf der CLIPSS-Homepage – https://www.clipss.de – der Lehrer:innenbildung kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Personen: Elisabeth SeethalerGerlinde Lenske (TU Kaiserslautern Landau)Wolf HilzensauerMargit Freller-TöglhoferFrancesca Christ

Das Projekt befasst sich mit den Denk- und Fehlerprozessen von Schüler*innen der Sekundarstufe I beim Mathematisieren von Sachverhalten. Mathematisieren, der Vorgang des Übersetzens eines Sachverhalts aus der Wirklichkeit in die Mathematik, ist eine wesentliche Teilkompetenz des mathematischen Modellierens und zugleich ein zentraler und aktueller Inhalt des Mathematikunterrichts der Sekundarstufe I in Österreich. Die Verdichtung der Informationen und die Beschreibung im Rahmen der Mathematisierung erfolgt mithilfe der mathematischen Symbolsprache. Dass beim Aufstellen von Termen und Formeln im Zusammenhang mit Sachsituationen Schwierigkeiten auch bei den österreichischen Schüler*innen auftreten, ist aus früheren Untersuchungen bekannt. Über die aktuellen Schwierigkeiten, die in diesem Kontext im österreichischen Mathematikunterricht auftreten, liegen nur vereinzelt systematische Befunde vor. Das Ziel des vorliegenden Projekts ist es, die Denk- und Fehlerprozesse von Schüler*innen der Sekundarstufe I beim Mathematisieren von Sachverhalten zu untersuchen. Zu diesem Zweck werden Schüler*innen und Schüler der Sekundarstufe I Aufgaben zum Mathematisieren von Sachsituationen zur Bearbeitung vorgelegt. Die Analyse der entsprechenden Denk- und Fehlerprozesse erfolgt auf Basis der Methode des Lauten Denkens. Die Rolle der Praxismittelschule (PMS) besteht darin, im Vorfeld Ideen zur Passung des Erhebungsinstruments, Relevanz des Themas und diesbezügliche Praxiserfahrungen einzubringen. Nach den Erhebungen werden die Ergebnisse gemeinsam mit Fachvertreter*innen der PMS diskutiert und reflektiert, um etwaige Erkenntnisse und Maßnahmen für die Schule und den Mathematikunterricht abzuleiten.

Personen: Simon Plangg

Inquiry-based Ansätze (Forschendes Lernen) sind traditionellen textbasierten Methoden beim Erlernen naturwissenschaftlicher Erkenntnismethoden potenziell überlegen. Forschendes Lernen kann jedoch für alle Schüler*innen herausfordernd sein und zusätzliche Barrieren für Schüler*innen mit Behinderungen schaffen. Daher ist es wichtig, den Unterricht so zu gestalten, dass diese Barrieren reduziert oder beseitigt werden. Ein inklusiver Ansatz wie das Universal Design for Learning (UDL) kann hier unterstützen. UDL ist ein Bezugsrahmen für die Curriculums- und Stundenplanung mit Blick auf eine diverse Schüler*innenpopulation. Es verbessert den Zugang zum Lernen, indem es vielfältige Optionen für Beteiligung, Darstellung von Inhalten sowie Ausdrucksmöglichkeiten bietet.
Bisher gibt es wenige Studien zur Wirksamkeit von UDL für Inquiry-based Ansätze im naturwissenschaftlichen Unterricht an österreichischen Schulen. Diese Studie untersucht die Frage, ob UDL als inklusives Planungsinstrument für zugänglichere Inquiry-based Ansätze in Biologie geeignet ist. Dazu wird ein UDL-basierter Fragebogen entwickelt, um Schüler*innen und Lehrpersonen zu Barrieren im Unterricht zu befragen. Anschließend wird eine mit UDL geplante Unterrichtseinheit umgesetzt und deren Einfluss auf Fachwissen, Inquiry-Kompetenzen, Interesse, Motivation und Barrierenwahrnehmung quantitativ analysiert. Die Erprobung erfolgt an der Praxismittelschule der PH Salzburg in Zusammenarbeit mit Biologielehrpersonen, die mit ihrer Expertise aktiv zur Weiterentwicklung des UDL-Fragebogens und der Unterrichtsplanung beitragen. Durch die Erprobung von innovativen Erhebungsinstrumenten und Unterrichtskonzepten können die Lehrpersonen langfristig die Weiterentwicklung und Professionalisierung des Kollegiums der Schule unterstützen und vorantreiben.

Personen: Theresa Thalhammer

Die Implementierung didaktischer Konzepte im inklusiven Sachunterricht (SU) als zentrales Fach in der Primarstufe und zugleich die Entwicklung naturwissenschaftlicher Grundbildung für alle Schüler*innen in stark heterogenen Klassen ist ein zentrales Anliegen dieser Studie. Ziel ist, die Partizipation aller Schüler*innen und kooperatives Arbeiten in Projekten (im SU) zu ermöglichen. Die Studie versucht zu ergründen, wie komplexe Inhalte unter Beteiligung aller Schüler*innen im Sachunterricht implementiert werden können. Im Rahmen didaktischer Theorien zum gemeinsamen Unterricht aller Kinder sind das Konzept der Elementarisierung und Universal Design for Learning geeignete Konzepte, um (auch) komplexe Inhalte allen Schüler*innen zugänglich zu machen. Diese beiden didaktisch-methodischen Herangehensweisen werden verwendet, um projektorientierten Unterricht zu planen und in den Klassen der Praxisvolksschule umzusetzen. Vorwissen, Motivation, Selbstwirksamkeit und Partizipation sollen vor, während und nach der Durchführung der Unterrichtseinheiten erhoben werden. Dazu werden unterschiedliche Erhebungsmethoden angewendet, wie zum Beispiel Testverfahren, Befragung und Einschätzung der Lehrpersonen oder Unterrichtsbeobachtungen. Weiters werden auch die Analyse von Lerntagebüchern der Schüler*innen sowie Gedankenprotokolle der Lehrpersonen und Befragung von Schüler*innengruppen und Lehrpersonen als Methoden herangezogen. Lehrpersonen werden aktiv bereits in der Planungs- und Konzeptionsphase, sowie durch Reflexionsschleifen als Teil der Überarbeitungsphase einbezogen und sind auch bei der Umsetzung des Unterrichts federführend.

Personen: Maria KreilingerTheresa Thalhammer

Das BLuE-Hochschulprogramm der PH Salzburg ermöglicht Menschen mit kognitiver und/oder psychischer Beeinträchtigung die Teilnahme an tertiärer Bildung. Eine wichtige Zielsetzung des BLuE-Hochschulprogramms ist Teilhabe – am Studium, aber auch am Arbeitsmarkt. BLuE bietet unter anderem eine Ausbildung zur pädagogischen Assistenz an. Der pädagogische Assistenzberuf stellt eine wichtige Schnittstelle zwischen Lehrpersonen und Schüler*innen dar. Es ist wichtig, dass auch in diesem Berufsfeld Menschen mit Behinderung volle Partizipation ermöglicht wird. So wird die reale Diversität der Gesellschaft abgebildet und für die schulische Gemeinschaft zugänglicher gemacht. Die Studie beschäftigt sich daher mit der Frage, welche Rahmenbedingungen und Faktoren die erfolgreiche Implementierung der Berufsfeldvorbereitung und Überleitung zu einer Anstellung im Bereich der Pädagogischen Assistenz am ersten Arbeitsmarkt ermöglichen. Die Praxisvolksschule ist die erste Schule, die eine Anstellung für einen pädagogischen Assistenten ermöglicht hat. Die Studie wird als partizipative Forschung umgesetzt. Die gleichberechtigte Mitarbeit der Lehrpersonen und des pädagogischen Assistenten am Forschungsprojekt erweitert die Perspektiven und bringt einzigartiges Wissen und Erfahrungen ein. In diesem Sinne wird die Forschung gemeinsam geplant, durchgeführt und analysiert. In Form einer Fallstudie wird anhand von Interviews und Dokumentenanalysen die Sichtweisen des pädagogischen Assistenten sowie von Schüler*innen, Praktikumsbetreuer*innen, Leitungspersonal und weiteren Mitarbeitenden erhoben und die strukturellen und rechtlichen Rahmenbedingungen analysiert.

Personen: Jürgen BauerKatharina BrunnerDavid DeutschLisa LindnerTheresa ThalhammerMichael Tockner

Angebote für die Modell- und Forschungsschulen

Als Initiative zur Begleitung der Modell- und Forschungsschulen wurde das Schulforschungskolloquium (Schufok) gegründet. Das Schufok findet mind. 2-mal pro Studienjahr statt und bietet einen Raum für den kollegialen Austauschen zwischen (forschenden) Lehrkräften und Forschenden der Pädagogischen Hochschule Salzburg. Das Sammeln von Ideen, Forschungsfragen, aber auch das Entwickeln von Forschungsdesigns und methodische Überlegungen können hier besprochen werden. Dabei profitieren Lehrkräfte wie Forschende gleichermaßen und arbeiten Hand in Hand an gemeinsamen Projekten und innovativen Modellen, die aus diesem gemeinsamen Arbeitsprozess entstehen können. Das Schufok hat damit einen Werkstattcharakter: Know-how in Schulpraxisforschung und Innovationsentwicklung und -sicherung wird durch praktisches Tun erworben.

Die Entwicklung der Praxisschulen hin zu Modell- und Forschungsschulen ist ein bundesweites Anliegen aller Pädagogischen Hochschulen. Um im Sinne einer „Community of Practice“ hier effizient und effektiv Synergien herstellen zu können, wurde am Standort Salzburg seit 2025 das online-Format „FoSiP“ ins Leben gerufen. Bei diesem Format, das ca. 4-mal pro Studienjahr stattfindet, treffen sich Lehrkräfte und Forschende unterschiedlicher Pädagogischer Hochschulen. Ziel ist es, nach dem Werkstattprinzip in einen offenen Austausch über Herausforderungen, Erfolge und Nutzen von Forschung an Schulen zu treten. Dabei können bspw. entweder konkrete Fragen zu Forschungsdesigns gestellt oder aber auch Ergebnisse aus aktuellen oder abgeschlossenen Schulforschungsprojekten präsentiert werden.